Aiterhofen, den 06.03.2026
Auch in diesem Jahr fand die traditionelle Hegeschau der Kreisgruppe Straubing Stadt und Land im Bayerischen Jagdverband in Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbehörde im Gasthaus Karpfinger in Aiterhofen statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, zahlreiche Jägerinnen und Jäger sowie interessierte Gäste nutzten die Gelegenheit, sich über die jagdlichen Entwicklungen des vergangenen Jahres zu informieren.
Musikalisch eröffnet wurde die Veranstaltung von den Jagdhornbläsern der Kreisgruppe Straubing unter der Leitung von Hornmeisterin Maria Werth und Bläserobmann Florian Herpich. Anschließend begrüßte der Vorsitzende Markus Landsmann die anwesenden Gäste und gab einen Überblick über aktuelle Themen der Kreisgruppe.
Gesamtstrecke weiterhin stabil – Niederwild prägt das Bild
Jagdberater Martin Moll stellte in seinem Bericht die Streckenergebnisse des Jagdjahres 2025 vor. Die Gesamtstrecke in der Kreisgruppe Straubing lag bei 9.110 Stück und bewegt sich damit weiterhin auf einem stabilen Niveau.
Die Strecke wird weiterhin maßgeblich vom Niederwild geprägt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung beim Feldhasen, dessen Strecke mit 2.255 Stück erneut leicht anstieg. Die Feldhasenstrecke erholt sich damit langsam. Ein wesentlicher Grund dafür ist auch das Engagement vieler Revierinhaber, die sich intensiv für die Hege in ihren Revieren einsetzen und damit dazu beitragen, dass sich der Feldhase in unserer Kulturlandschaft wieder wohler fühlt.
Auch beim Fasan blieb die Strecke mit 843 Stück auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Die stärksten Fasanenstrecken wurden unter anderem im Gemeinschaftsjagdrevier Kößnach-Pittrich erzielt.
Die Stockentenstrecke lag bei 497 Stück. Insgesamt zeigt sich hier jedoch seit mehreren Jahren eine leicht rückläufige Entwicklung. Ein einzelnes Revier – das Eigenjagdrevier Schleinkof – machte dabei rund 15 Prozent der gesamten Entenstrecke der Kreisgruppe aus.
Bei den Graugänsen ist die Tendenz hingegen leicht steigend. Dabei konzentriert sich die Strecke jedoch auf wenige Reviere, in denen sehr viel Engagement betrieben wird, um die Bestände zu regulieren. Dort werden unter anderem Maßnahmen wie das Anstechen der Eier in den Gelegen durchgeführt, um den Nachwuchs zu begrenzen und landwirtschaftliche Schäden zu reduzieren.
Deutlich mehr Schwarzwild im Landkreis
Ein deutliches Plus zeigte sich beim Schwarzwild. Die Strecke stieg im Jagdjahr 2025 auf 461 Stück, was einem Anstieg von rund 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders hohe Strecken wurden in der Hegegemeinschaft Atting sowie in mehreren Revieren entlang der Donau erzielt.
Der Großteil der Strecke bestand aus Frischlingen und Überläufern, was die gezielte Bejagung dieser Altersklassen widerspiegelt.
Beim Rehwild lag die Gesamtstrecke bei 1.879 Stück. Besonders stark vertreten war erneut die Hegegemeinschaft Leiblfing. Auffällig bleibt weiterhin der hohe Anteil an Fallwild durch den Straßenverkehr: 534 Stück, also rund 28 Prozent der Strecke, waren auf Verkehrsunfälle zurückzuführen.
Im Rahmen der Trophäenschau wurden insgesamt 492 Gehörne bewertet. Das durchschnittliche Gehörngewicht lag bei 354 Gramm. Der stärkste Bock des Jahres kam aus dem Revier GJR Aiterhofen I mit einem Gewicht von 437 Gramm, erlegt von Silvia Jäger.
Raubwildbejagung gewinnt weiter an Bedeutung
Ein wichtiger Bestandteil der Hegearbeit bleibt weiterhin die intensive Bejagung des Raubwildes. Besonders beim Fuchs ist die Strecke weiter steigend.
Insgesamt ist die Strecke bei Raubwild und Beutegreifern – darunter Fuchs, Dachs, Rabenkrähe und Elster – in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Seit 2010 hat sich die Gesamtstrecke in diesem Bereich um rund 83 Prozent erhöht, was einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Niederwildbestände leisten kann.
Bericht des Veterinäramtes
Dr. Josef Kitzinger vom Veterinäramt informierte über die aktuelle Tierseuchensituation. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist weiterhin nicht in Bayern angekommen, befindet sich jedoch in mehreren osteuropäischen Regionen und bleibt daher ein ernst zu nehmendes Risiko.
Besonders wies er darauf hin, dass das Virus sehr widerstandsfähig ist und sich unter anderem über Lebensmittelreste verbreiten kann. Werden beispielsweise Wurst- oder Fleischreste achtlos in der Natur entsorgt, können diese von Wildschweinen aufgenommen werden und so eine Infektion auslösen. Daher appellierte er eindringlich an die Bevölkerung, keine Essensreste in der Natur zu entsorgen und insbesondere keine Schweinefleischprodukte achtlos wegzuwerfen.
Auch die Geflügelpest (Aviäre Influenza) wurde angesprochen. In Niederbayern gab es zuletzt einzelne Fälle, unter anderem in einem Geflügelbestand im Raum Geiselhöring. Die betroffenen Tiere mussten gekeult werden.
Ein weiteres Thema war die Tollwut, von der Deutschland seit 2008 als frei gilt. Ein aktueller Fall aus dem Jahr 2025 zeigte jedoch, dass weiterhin Vorsicht geboten ist: Ein aus dem Ausland importierter Welpe aus der Ukraine war über Russland eingeschleppt worden und wurde später positiv getestet. Auch die betroffene Familie konnte im Anschluss medikamentös behandelt werden und überlebten diesen Vorfall. Leider verläuft eine unbehandelte Tollwut-Infektion in allen Fällen tödlich.
Darüber hinaus wurde über eine modulare Tierseuchenübung berichtet, an der rund 130 Personen beteiligt waren. Dabei wurde unter anderem die Suche nach Kadavern mithilfe von Drohnen und speziell ausgebildeten Hunden trainiert.
Pilotprojekt zur Saatkrähe
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das Pilotprojekt zur Saatkrähe, das im Raum Straubing durchgeführt wird. Neu ist in diesem Jahr, dass die Maßnahmen im Projekt auch durch Lockjagd ergänzt werden können.
Das Projekt läuft von April bis August und befindet sich derzeit im zweiten Projektjahr. Langfristiges Ziel ist es, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse Lösungen zu entwickeln, die künftig weniger bürokratisch und einfacher in der Praxis umgesetzt werden können, ohne zwingend ein wissenschaftliches Projekt im Hintergrund zu benötigen.
Änderungen im Bayerischen Jagdgesetz
Markus Landsmann und Martin Moll informierten zudem über den aktuellen Stand der Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes. Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Möglichkeit der Rehwildbejagung ohne Abschussplan.
Dabei appellierten die Referenten insbesondere an Eigenjagdbesitzer sowie an Jagdreviere, die gut mit ihrer Jagdgenossenschaft zusammenarbeiten, diese Möglichkeit zu prüfen und gegebenenfalls zu nutzen. Ziel sei es, mehr Eigenverantwortung vor Ort zu ermöglichen und Entscheidungen stärker auf Revierebene zu treffen.
Eine weitere Änderung betrifft den Beginn der Jagdzeit für Böcke und Schmalrehe, der künftig bereits am 16. April liegen kann. Gleichzeitig betonten die Referenten, dass diese Möglichkeit mit großer Sorgfalt abgewogen werden sollte. Gerade in dieser Zeit sei die Ruhe im Revier ein wichtiger Faktor, weshalb eine frühere Bejagung nur dort sinnvoll sein könne, wo sie auch tatsächlich notwendig sei – etwa in Revieren, in denen zu dieser Zeit bereits verfegte Flächen auftreten.
Zudem gaben sie zu bedenken, dass derzeit noch nicht sicher ist, wann das Gesetz tatsächlich veröffentlicht wird. Sollte die Veröffentlichung noch nicht erfolgt sein, gilt weiterhin das bisherige Recht. Das bedeutet: Solange das neue Gesetz nicht offiziell veröffentlicht ist, darf auch nach dem 16. April noch kein Rehwild erlegt werden.
Bericht der Unteren Jagdbehörde
Johann Lanzinger von der Unteren Jagdbehörde berichtete über die Einführung der digitalen Streckenliste und zeigte sich insgesamt zufrieden. Die digitale Streckenliste wird inzwischen von der großen Mehrheit der Reviere genutzt – von 106 Revieren haben bereits 103 ihre Strecken digital abgegeben, was eine deutliche Erleichterung in der Verwaltung darstellt, aber auch bei der Abgabe der Gehörne zur Hegeschau, bei der die handschriftliche Streckenliste nun nicht mehr abgegeben und händisch übertragen werden muss.
Lanzinger lobte die stets hervorragende Zusammenarbeit mit der Jägerschaft aber auch mit den Jagdvorstehern.
Zum Abschluss seines Berichtes teilte Hans Lanzinger mit, dass dies seine letzte Hegeschau in dieser Funktion gewesen sei, da er in den kommenden Wochen in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Die Kreisgruppe nahm dies zum Anlass, sich im Rahmen der Veranstaltung herzlich von ihm zu verabschieden. Der Vorsitzende Markus Landsmann dankte Johann Lanzinger für die langjährige, vertrauensvolle und äußerst konstruktive Zusammenarbeit, die in den vergangenen Jahren stets von großem Engagement und hoher fachlicher Kompetenz geprägt gewesen sei.
Als Zeichen der Wertschätzung überreichte die Kreisgruppe ein kleines Präsent. Gleichzeitig äußerte man den Wunsch und die Hoffnung, dass die Stelle der Unteren Jagdbehörde auch künftig mit einer ebenso engagierten, fachlich kompetenten und der Jagd verbundenen Persönlichkeit besetzt werden könne.
Bericht des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Forstoberrat Rupert Peter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ging in seinem Vortrag auf die aktuelle Situation im Wald ein. Die Schäden durch den Borkenkäfer entwickelten sich im vergangenen Jahr insgesamt günstiger, was vor allem auf die feuchtere Witterung zurückzuführen ist. Dennoch sei eine konsequente Aufarbeitung befallener Bestände weiterhin notwendig.
Ein weiterer Punkt war der Zaunabbau im Wald. Im Jahr 2025 wurden mehrere Zäune zurückgebaut, wodurch wieder rund 1,5 Hektar Waldfläche für das Wild zugänglich gemacht wurden. Insgesamt konnten in den letzten drei Jahren etwa 5 Hektar Fläche wieder geöffnet werden.
Zudem wurde betont, dass Jäger auch künftig wichtige Partner beim Waldumbau im Zuge des Klimawandels bleiben. Nur durch gute Zusammenarbeit aller kann eine lebenswerte Landschaft geschaffen werden.
Grußworte der Ehrengäste
In ihren Grußworten würdigten die Ehrengäste die Arbeit der Jägerschaft und ihre Bedeutung für Natur, Landwirtschaft und Gesellschaft.
Der Aiterhofener Bürgermeister Adalbert Hösl begrüßte die Anwesenden als Hausherr und hob die Rolle der Jäger für den Erhalt der Kulturlandschaft hervor.
Auch die Landtagsabgeordneten Josef Zellmeier und Tobias Beck betonten die Bedeutung des Dialogs zwischen Politik und Jägerschaft, insbesondere bei den aktuellen Änderungen im Jagdrecht.
Weitere Grußworte kamen von Holger Frischhut, Stadtrat der Stadt Straubing, Alois Lummer, Vorsitzender der Jagdgenossenschaften, sowie Josef Heisinger vom Bayerischen Bauernverband. Alle unterstrichen die gute Zusammenarbeit zwischen Jägern, Landwirten, Waldbesitzern und Behörden in der Region.
Dank an alle Beteiligten
Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Markus Landsmann allen Mitwirkenden der Hegeschau sowie insbesondere der Hegegemeinschaft Parkstetten, die den Auf- und Abbau der Gehörnwand übernommen hatte.
Mit einem musikalischen Ausklang der Jagdhornbläser und einem anschließenden gemütlichen Beisammensein endete die diesjährige Hegeschau der Kreisgruppe Straubing.
Bild: Die drei stärksten Rehböcke der Hegeschau 2026 der BJV-Kreisgruppe Straubing: Mit einem Gehörngewicht von 437 Gramm stammt der stärkste Bock aus dem Revier GJR Aiterhofen I und wurde von Silvia Jäger erlegt. Die weiteren Spitzenplätze belegten Böcke aus den Revieren GJR Oberschneiding (Christian Kirn) und GJR Kirchroth (Johann Löw) mit jeweils 387 Gramm.

