Wildunfälle

Klage gegen Revierpächter abgewiesen

image002 Am Ende dieser Rechtskurve sprang während einer Flugwildjagd hochgemachtes Rehwild auf die Straße. Foto: JMB

Wie wichtig es für Jagdleiter sein kann, bei Gesellschaftsjagden in der Nähe von Straßen die korrekten Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen,
zeigt ein Fall aus Bayern. Anfang November 2009 hatte Revierpächter Dr. Josef Einhellig im Revier Schwarzach (Kreis Deggendorf) eine Suchjagd auf Enten und Fasane entlang
eines Donaualtwassers angesetzt. Als Jagdleiter hatte er zuvor an dem vom Bayrischen Jagdverband durchgeführten Seminar zur Verkehrssicherungspflicht teilgenommen, womit er die Befähigung zum Aufstellen der erforderlichen  Verkehrszeichen erhielt.

 

Korrekt gehandelt und trotzdem schuldig?

Verkehrssicherungskurs der Deffendorfer Jäger im Jahre 2008. Teilnehmer und zufällig mit im Bild: Dr. Josef Einhellig ( rechts, Stehend). Foto: JMB

Dr. Einhellig hattedas vom Landratsamt angeordnete Gefahrenszeichen Nr. 101 der StVO vorschriftsmäßig am Straßenrand aufgestellt. Die verkehrsrechtliche Anordnung war vom Landratsamt Deggendorf erteilt worden. Während der Jagd wurde Rehwild hochgemacht, welches in Richtung der gesicherten Straße flüchtete. Eines der Rehen kollidierte mit einem Auto. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von 2000€. Die Fahrzeughalterin war der Auffassung, dass der Revierinhaber den Schaden zu ersetzen habe, weil das Reh durch einen bis zum Straße reichenden Schilfgürtel auf diesen gelaufen und damit vom Fahrer des PKW nicht zu sehen gewesen sei.

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Alles unternommen, um einen Wildunfall zu verhindern

Blick über die Straße auf die Damals behagte Fläche. Hinter dem Maisfeld liegt vor den Bäumen der schmale Schilfstreifen. Foto: JMB

Hingegen gab der Revierpächter an, dass ein mit Schilf bewachsener Acker nicht vorhanden gewesen wäre und das Reh, bevor es auf die Straße lief, zuvor etwa 60 Meter über ein deutlich einsehbares Feld durch die dort zusätzlich aufgestellten Postenkette von Jägern gelaufen sei. Ferner sei die Treibjagd von der Straße weggeführt worden und man habe ausschließlich auf Fasane und Wildenten gejagt.

Das Amtsgericht Deggendorf wies nach einer Verhandlung im März 2010 die Klage ab. Die Fahrzeughalterin als Klägerin musste die Kosten des Rechtsstreits tragen.

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Der in Bayern alleinig genehmigte Schildersatz, mit dem gefährdete Streckenabschnitte abzusichern sind. Foto: JMB

Durch Zeugenaussagen wurde bestätig, dass der Revierinhaber durch eine Postenkette entlang der Straße versuchte, Wild- auch nicht Bejagtes- davon abzuhalten, in Richtung Straße zu flüchten. Dies schien dem Gericht nachvollziehbar und glaubwürdig.

Zudem habe der Revierpächter auf die Durchführung seiner Treibjagd durch das amtliche Verkehrschild hingewiesen und dieses vorschriftsmäßig aufgestellt. Der Fahrer des Unfallfahrzeuges bestätigt zudem, das vom Jagdpächter aufgestellte Schild wahrgenommen und infolge dessen auch seine Geschwindigkeit reduziert zu haben.

Nach §20 des Bundesjagdgesetzes ist es verboten, an Orten zu jagen, an denen die Jagd nach den Umständen des einzelnen Falles die öffentliche Ruhe, Ordnung oder Sicherheit stören und das Leben von Menschen gefährden könnte.
Nach Überzeugung des Gerichts war kein Verstoß gegen §20 BJagdG in Verbindung mit §823 BGB (Schadensersatzpflicht) gegeben. Hubert Kerzel

 

Wichtig: Nur genehmigte Schilder verwenden

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