BJV-Jäger nehmen die Schwarzwildjagd ernst

Eine „Kriegsführung“ gegen die Wildschweine aber lehnen sie strikt ab.

Frischlinge © A. Brillen (piclease.de)
Frischlinge © A. Brillen (piclease.de)

 

 

 

 

 

Feldkirchen – Die Lebensbedingungen und das Nahrungsangebot im Wald und in der Feldflur haben sich in den vergangenen Jahren signifikant zu Gunsten des Schwarzwilds verbessert. Häufige Baummasten bei Eiche und Buche, verbesserte Einstände durch einen Strukturwandel in der Forstwirtschaft hin zu mehr Laubholz und ein günstiges Klima, das die Mortalitätsrate der Frischlinge sinken lässt, sorgen für eine verstärkte Vermehrung und Verbreitung der Schwarzkittel. Hinzu kommt das üppige Nahrungsangebot, das die industrielle Landwirtschaft produziert. Wohl genährt pflanzen sich die Tiere immer früher fort.

Die Expansion des Schwarzwildes ist nicht allein in Bayern zu beobachten, sondern ist ein europaweites Phänomen. So wurden zum Beispiel in Spanien 1980 rund 31.600 Schwarzkittel erlegt, 30 Jahre später waren es 263.914! Ähnliche starke Streckenanstiege sind in Frankreich, Italien, Polen, Schweden und Tschechien zu verzeichnen. Die Wildschweine sind die Gewinner des Wandels im Ökosystem.

Es sieht nicht danach aus, als wenn sich an den guten Voraussetzungen für die weitere Vermehrung der Borstentiere in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Das sehen die Jägerinnen und Jäger im Bayerischen Jagdverband ganz realistisch und nehmen die Reduzierung des Schwarzwildes ernst. Das Rekordergebnis aus dem Jagdjahr 2012/2013, in dem knapp 66 000 Wildschweine erlegt wurden, konnte 2013/2014 noch einmal gesteigert werden auf nunmehr 68 679 Stücke. Eine gewaltige Zahl, wenn man dabei bedenkt, wie viele Ansitze und wie viel Einsatz notwendig sind, um eine Sau zur Strecke zu bringen. Doch das Problem kann nicht allein von ihnen gelöst werden.

Ein Patentrezept für die Bejagung von Wildschweinen gibt es nach Ansicht der Jäger im Bayerischen Jagdverband nicht. Die Bejagung muss sich immer an den regionalen Gegebenheiten orientieren. Es gibt viele verschiedene „Stellschrauben“, die angezogen werden können, um dem natürlichen Trend erfolgreich entgegen zu wirken. Der Bayerische Jagdverband besitzt hierbei viel Erfahrung und Kompetenz, die er seinen Mitgliedern in ganz Bayern zu verdanken hat, und die er gerne einbringt.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Schwarzwildjagd aber ist immer eine enge Zusammenarbeit der Jagd mit der Land- und Forstwirtschaft. Während diese Kooperation in schwarzwildreichen Gebieten längst funktioniert, werden die Strukturen dort, wo die Sauen noch „Neulinge“ sind, auf- und weiter ausgebaut.

Schwarzwildjagd – aber bitte ohne Hysterie!

Die Jäger sind sich der Herausforderung bewusst, trotzdem heißt das Gebot der Stunde: Wir gehen auf Schwarzwildjagd, wir ziehen nicht gegen diese Tiere in den Krieg! Das Schwarzwild ist als Wildart und Teil der Biodiversität grundsätzlich zu akzeptieren.

„Grundsätzlich gilt: Das Schwarzwild gehört zu unserer heimischen Natur“, stellt BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke fest. Er fordert eine Mitverantwortung von Staat, Gesellschaft, Land- und Forstwirtschaft. Verstöße gegen den Muttertierschutz lehnen die Bayerische Jägerinnen und Jäger ebenso strikt ab wie den Einsatz verbotener Mittel. „Der Tierschutz hat unter allen Umständen Vorrang“, sagt Vocke. „Wildschweine sind eine heimische Tierart, die die Gunst der Stunde zu nutzen weiß. Wir sind Jäger und keine Schädlingsbekämpfer, denen jedes Mittel zur Vernichtung der Tiere und ihres Nachwuchses recht ist.“

Landsmann, 1. Vorsitzender 

01.12.2014 lm

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